Der erste Blick könnte täuschen - so könnte angenommen werden, dass die Pflege und Haltung von Landschildkröten keinebesonderen Anforderungen stellen könnte. Dank vieler gewonnener Erkenntnisse über die griechischen Landschildkröten, die in einer hervorragender Literatur und auch aufvielen Internetseiten frei zugänglich ist, können die Bedingungen für die Tiere deutlich verbessert und optimiert werden. So kannes dem Liebhaber und Halter gelingen, den Tieren mittels Berücksichtigung einiger wichtiger Grundbedingungen und dem Einsatzvon Technik ein günstiges Lebensumfeld anzubieten. Vor dem Erwerb der Tiere sollten einige Dinge vorab überlegt werden:Lebenserwartung: Während beispielsweise Katzen und Hunde etwa bis zu 20 Jahre alt werden können, haben die Landschildkrötenbei guter Pflege eine Lebenserwartung von über 80 Jahren. Deshalb werden die Tiere uns in der Regel überleben.Finanzieller Aspekt: Schildkröten sollten nicht als Einzeltiere gehalten werden. Am günstigsten erweist sich eine kleine Gruppevon 3 bis 5 Weibchen und einem Männchen. Jungtiere sind beim privaten Züchter für etwa 70-100 Euro zu erwerben. Semiadulteoder gar geschlechtsreife weibliche Tiere sind dagegen sehr teuer und können auch für über 1000 Euro angeboten werden. Zudem müssen die Kosten für das Anlegen eines Freigeheges, einer Schutzhütte, eines Innengeheges für die Übergangszeit, derentsprechend benötigten Lampen, Steuergeräte wie Thermotimer, Tierarztkosten (z.B. für die Wurmkur oder bei Erkrankungen)berücksichtigt werden. Eventuell muss auch noch ein Kühlschrank angeschafft werden um die Bedingungen für die Winterstarreschaffen zu können. Platzbedingungen: Schildkrötenhaltung sollte vornehmlich im Freiland stattfinden. Hierzu muss der entsprechende Platzvorhanden sein. Je größer, desto besser für die Tiere. Eventuell werden auch mehrer Gehege erforderlich sein, wenn die Tiereuntereinander nicht verträglich sein sollten. Sollte dieser Platz im Freien nicht vorhanden sein, ist zu überlegen, ob man nicht aufdie Haltung dieser Tiere besser verzichten sollte. Notlösungen werden weder den Tieren noch langfristig dem Liebhaber gerecht.In den Übergangszeiten muss eventuell auf ein großes Innengehege zurückgegriffen werden können. Ansonsten müsste einentsprechendes beheizbares Schutzhaus oder ein Gewächshaus zur Verfügung stehen. Hier muss auch die Wohnung den Platzbieten. Versorgung während der Abwesenheit: Bei Aquarienfischen kann während der Abwesenheit im Urlaub ein Futterautomat hilfreichsein. Bei der Versorgung von Katzen entstehen auch kaum Probleme, weil viele Freunde und Bekannte ebenfalls Katzen halten.Den Hund kann man eventuell mitnehmen. Bei Schildkröten bedarf es dagegen schon der Vermittlung einiger Grundkenntnissewie beispielsweise bezüglich des Futters, der Technik, der Temperatur und der Kontrolle des Gesundheitszustands der Tiere. Beiuns versorgen unsere Nachbarn unsere Tiere, da sie ebenfalls griechische Landschildkröten halten und wir umgekehrt. Währendder Urlaubszeit sollten die Tiere jedoch in ihrem bekannten Umfeld verbleiben können. Von einem Zusammensetzen der Tiere istdringend abzuraten. Die Tiere reagieren aufgrund des neuen Umfelds und der anderen Tiere gestresst. Zudem kann auchÜbertragung von Krankheiten die Folge für die Tiere sein. Beispielsweise fressen die Schildkröten den Kot der anderen Tiere und"bekommen" so auch die Würmer der anderen Tiere gleich mit. Erkrankung der Tiere: Bei Krankheiten ist unbedingt ein schildkrötenerfahrener Arzt aufzusuchen. Viele allgemeine Tierärztehaben (leider noch) nicht das entsprechende Know-How für die Behandlung dieser Exoten.In diesem Jahr war ich mit unserer Hündin in einer großen gem. Tierarztpraxis. Dort konnte die Tierärztin nicht einmal dieGeschlechter der Tiere zuordnen. Ich traf dort eine ältere Frau, die mit ihrem Tier in die Praxis ging, da das Tier immer versuchenwürde, ihr in den Fuß zu beißen. Die Einschätzung der Ärztin war es, dass ihr "Weibchen" derzeit so aggressiv sei, weil es wohlträchtig wäre. Und das obwohl es eindeutig ein Männchen war, welches zudem noch alleine gehalten wurde.Mein Männchen Kurt zeigte seit der Übernahme 2004 starke Atemgeräusche. Mehrfach war ich in der Nähe bei einer Tierärztin, dieeine unheilbare chronische Bronchitis diagnostizierte. Sie meinte, dass man das Tier erlösen sollte, wenn es nicht mehr agil wäreund auch nicht mehr richtig fressen würde. Bedrückt zog ich von dannen. Doch das Tier lebte weiter… Auch die Winterstarreüberstand es ohne Schwierigkeiten. Irgendwie war ich mit dem Ergebnis nicht zufrieden und nahm Kontakt mit einemsaarländischen Schildkrötenhalter auf. Dieser riet mir, mich an einen Arzt nach Dillingen zu wenden. Der dortige Arzt konnte bei meinem Tier nach einer kurzen Untersuchung der Maulhöhle den wirklichen Grund für die Atemgeräusche feststellen:Hyperkeratose Zungengrund! Ansonsten war das Tier gesund und musste auch nicht weiter behandelt werden! Es lohnt sich alsodurchaus bei Auffälligkeiten und möglichen Erkrankungen der Tiere einen längeren Anreiseweg in Kauf zu nehmen. Mögliche Fress-Feinde: Die Tiere, insbesondere die Jungtiere, sind vor möglichen Fressfeinden (beispielsweise Elstern, Raben,Marder, Ratten, Mäuse) zu schützen. Das Gehege der Jungtiere sollte unbedingt abgedeckt werden. Aber auch von der Straße guteinsehbare Gehege können dazu "verführen", dass die Tiere nachts oder bei Abwesenheit gestohlen werden. Siegfried NiesenTrierweiler im November 2006