Gerade bei unerfahrenem Schildkrötenhaltern kann die anstehende Winterstarre ein Unbehagen und ein Befremden auslösen. Dabei stellt die Durchführung der Winterruhe eine wichtige Voraussetzung für eine artgerechte Schildkrötenhaltung dar. Wieder einmal lohnt sich zum besseren Verständnis der Blick in das natürliche Habiat der Tiere. Die Schildkröten haben sich über mehrere tausende Jahre an die teilweise recht harten Bedingungen in ihrem natürlichen Lebensraum angepasst um ihren Fortbestand und ihr Überleben zu sichern. In der kalten Jahreszeit, in der die Sonnenstunden rapide zurückgehen, die Temperaturen stark abfallen und die Futtermöglichkeiten rapide zurückgegangen sind, führen die Tiere einen "Winterschlaf" durch, in der der Organismus in eine Art Starre verfällt. Der Stoffwechsel kommt nahezu zum Erliegen und der mögliche Energieverlust kann so in Grenzen gehalten werden. Die Tiere verlieren kaum bzw. nur minimal an Körpergewicht. So kommen sie zumeist sehr gut über diese Jahreszeit.
Da ich momentan keine sichere Freilandüberwinterung für meine Tiere garantieren und ich auch nicht einen feuchten Kellerraum mit den erforderlichen kalten Temperaturen in Anspruch nehmen kann, überführe ich meine Tiere in einen eigens dafür angeschafften Kühlschrank. Wichtig ist, dass er bezüglich der Erhaltung einer hohen Luftfeuchtigkeit über kein Eisfach verfügt. Den Kühlschrank benutze ich nunmehr zum dritten Mal. Davor hatte in vergeblich versucht, die Tiere im Keller bei den erforderlichen Temperaturen überwintern zu lassen. Immer wieder wurde es an den milderen Wintertagen auch 10-12 Grad warm, was den Tieren jedoch nicht gut tut. Mit dem Kühlschrank kann ich die Temperatur genau steuern und auch die Dauer der Winterstarre bestimmen.
Trierweiler im Herbst 2006: Die kürzer werdenden Tage kündigen bereits Ende September den bevorstehenden Herbst an. Die Aktivität der Tiere geht spürbar zurück. Einige meiner Tiere vergraben sich bereits zu dieser Zeit tief in die Erde ein und sind dann nur noch sehr schwierig im Freigehege zu finden. Da ich bereits mehrere Stunden am Suchen war um insbesondere ein Tier zu finden, lasse ich die Griechen anschließend in den letzten Wochen im Gewächshaus und verschließe den Ausgang ins Freigehege. Da in diesem Jahr noch häufig die Sonne scheint und sehr milde Temperaturen herrschen, können im Gewächshaus noch stundenweise Temperaturen erzielt werden, die die Tiere auf "Betriebstemperatur" bringen. Jedoch vergraben sich auch hier bereits einige Tiere, die selbst bei im Gewächshaus gemessenen Temperaturen um 35 Grad nicht mehr nach oben kommen. Die Tiere nehmen nun weniger Nahrung auf. Ich biete hier vor allen Dingen rohfaserreiches Futter wie Breit- oder Spitzwegerich oder auch aufgeweichte AGROBS an. In den nächsten Tagen mit zunehmender Kälte in den Nächten graben sich nacheinander alle Tiere tief in die Erde ein. Dies zeigt mir, dass die Tiere für die anstehende Winterstarre und Ruhephase bereit sein. In der Regel haben die Tiere 10-14 Tage vor der Winterstarre nichts mehr gefressen.
Mitte November 2006: Ein Blick in das Innengehege. Die beiden Nachzuchten von diesem Jahr haben sich bereits tief in das Gartenerde/Sandgemisch eingegraben. Für dieses Bild wurde ein Tier von mir vorsichtig freigelegt. Wichtig ist hierbei, dass das Substrat feucht (nicht nass) gehalten wird. So können die Tiere über den Panzer weiter Feuchtigkeit aufnehmen.
Eines Abends Anfang November grabe ich dazu die Tiere im Gewächshaus aus und setze sie in Körbchen, die mit einem lockeren Gemisch aus feuchter Gartenerde und Buchenblättern befüllt sind. Dort können sich die Tiere eingraben. Anschließend überführe ich die Tiere in den Kühlschrank. Im kurzen Abstand überprüfe ich, ob die Tiere ruhig geworden sind und ihre Ruheposition gefunden haben. Ferner überzeuge ich mich von der Temperatur des Geräts, die ich am Anfang auf 8 Grad halte und dann über 3-5 Tage langsam auf 5 Grad reduziere. Die Luftfeuchtigkeit reguliere ich ebenfalls auf etwa 70 Prozent. Zumeist ist zu Beginn der Winterstarre die Feuchtigkeit durch das angefeuchtete Substrat im Kühlschrank gegeben.

Gesundheitszustand: Beim Ausgraben der Tiere im Gewächshaus kontrolliere ich nochmals den Gesundheitszustand der Tiere. Abschließend werden die Tiere gewogen. Dabei stelle ich fest, dass die Tiere in den letzten Wochen vor der Winterstarre etwas an Gewicht verloren haben, was jedoch als normal zu bezeichnen ist. Wie oben beschrieben sollte jedoch über die Winterruhephase der Tiere kein oder wenn dann nur ein minimaler Gewichtsverlust festzustellen sein. Ein Tier, welches krank (z.B. Erkältung, rapider Gewichtsverlust) sein könnte, darf in keinem Fall in die Winterstarre überführt werden. Da die Tiere ihre Aktivität und ihren Stoffwechsel bereits stark reduziert haben und sich bereits recht kalt anfühlen, habe ich in diesem Jahr auf ein Bad verzichtet.

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